ADERLASS IM MITTELALTER TEIL II

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ADERLASS IM MITTELALTER

 

Ich freu mich, dass Du Dich ein weiteres Mal an dieses blutige Thema heranwagst.

 

Falls Du den ersten Teil des Blogartikels noch nicht gelesen hast, hier findest Du alles, was du wissen musst, um „einzusteigen“.

Für alle anderen, folgt mir nach. Jedoch noch nicht zum Aderlassmesser, sondern in die mittelalterliche Küche.

 

Im vorherigen Teil sind wir eingehend auf die Säftelehre eingegangen. Diese hatte nicht nur Einfluss auf die Nutzung des Aderlasses, sondern noch viel mehr auf die Esskultur des Mittelalters.

 

 

Denn die Ärzte des Mittelalters hatten gleichzeitig die Aufgabe eines Ernährungstherapeuten. 

Nahrungsmittel wurden als „warm“ oder „kalt“ und „feucht“ oder „trocken“ eingeordnet. Von erfahrenen Köchen wurde erwartet, dass sie die Lebensmittel so zusammenstellen, dass sich diese Eigenschaften ausgleichen und ergänzen. So bleiben die Körpersäfte im Einklang.

Als ideale Nahrungsmittel galten „warme“ und „feuchte“, also jene, die dem Menschen das Hauptelement Luft zuführten.

 

Das Element Luft beispielsweise arbeitet laut der Säftelehre gegen das Element Erde. Ein Übermaß an Erde wurde als Ursache für viele Krankheit vermutet, da sie angeblich schwarze Galle entstehen lassen. 

Es wurde empfohlen, die Speisen fein zu zerhacken oder zu pürieren, sodass sich die Zutaten gut vermischten.

Ein Gericht, das diese Anforderungen perfekt erfüllt, ist Blanc manger.

 

 

Bis in die die Neuzeit wurde es von der Mittel- und Oberschicht in fast ganz Europa mit Vorliebe verzehrt. Auch heute noch gibt es einige Feinschmecker, die das jahrtausendealte Gericht als delikate Nachspeise verwenden. 

 

In einer Masse aus zerstoßenen Mandeln wurden Hühnerbrüste zusammen mit Reismehl, Schmalz und Zucker gegart und anschließend zu einer Paste zerstoßen und püriert.

 

 

Es wurde ursprünglich sowohl süß als auch herzhaft mit Reis, Fleisch, Geflügel und Fisch zubereitet. Die wichtigsten Zutaten waren Milch oder Mandelmilch und Zucker. Da in dieser Zeit noch keine Gelatine verwendet wurde, nutzte man andere kollagenhaltige Bindemittel wie Hausenblase oder ausgekochte Kalbsfüße. 

(Copyright) https://www.bell.ch/de/bell-code-1869/fleischkunde/kalb/fleischstueck/kalb-fuesse/

 

Wer seine Familie oder Gäste mal überraschen möchte, hier gibt es Rezepte zu blanc manger, allerdings auf die moderne Küche abgestimmt. Du musst also keine Kalbsfüße auftreiben und kannst Gelatine nutzen.  

 

Auch wird heutzutage auf Hühnchen und Fisch bei der Rezeptur verzichtet, da sie als Nachspeise ihre Fans gefunden hat und nicht mehr wie im Mittelalter noch als Hauptspeise zubereitet wird. 

 

 

 

Die Verantwortung eines mittelalterlichen Kochs war somit enorm. Mit ein Grund warum es in der Küche des Adels nur männliche Köche gab. Frau gehört an den Herd ist demnach moderner Sexismus und hat nichts mit dem Mittelalter zu tun. Der Grund ist allerdings nicht weniger sexistisch. Die Frau wurde in der Adelsküche an den Rand gedrängt, weil sie als dem Manne minderwertig und nicht klug genug galt, um mit so einer wichtigen Aufgabe betraut zu werden. Immerhin durfte sie als Küchenmagd dem Manne zur Hand gehen. 

Im ersten Teil hast Du erfahren, zu welchem Temperament Du gehörst.

 

Sollest du zu den Cholerikern gehören, würde dir ein Medicus empfehlen, dein Essen nicht zu stark zu würzen.

 

Gewürze galten als heiß und trocken und feuerten somit die Eigenschaften des cholerischen Menschen an.

 

Choleriker, die zu viel Hitze zuführen, riskieren nach der Säftelehre einen Herzinfarkt. 

 

So weit hergeholt, wie das nun klingt, ist es nicht.

 

Schärfe mag nun wenig Einfluss auf das Herz haben, aber weniger Salz hilft eindeutig, um den Blutdruck zu senken.

Und wie wir alle wissen, führt ein jahrelanger zu hoher Blutdruck zu einem Herzinfarkt.

 

 

 

 

Fisch galt als „kalt“ und „feucht“ und sollte in einer Weise zubereitet werden, die „trocknend“ und „erhitzend“ war. Dazu gehörten frittieren oder im Ofen backen. 

 

Zusätzlich sollten Fischgewürze „heiß“ und „trocken“ sein. Von da kommt auch der geräucherte Fisch, den wir heute noch liebend gern verschlingen. 

 

 

Wacholderbeeren waren beliebt für ihre trocknenden und wärmenden Eigenschaften.

Auch heute wird Wacholder Tee eingesetzt zur Förderung der Verdauung, der Harnsausscheidung und gegen Sodbrennen. Außerdem unterstützt er die Rheuma- und Gicht-Therapie.

 

Neben der Nutzung in der Küche fanden die schwarzen Beeren Verwendung in Salben bei der Behandlung von Gelenkerkrankungen. 

 

Rindfleisch dagegen wurde als „trocken“ und „heiß“ also „feurig“ angesehen. Es wurde in Wasser gekocht, um einem Übermaß an Feuer zu verhindern.

 

Salate verkörperten „Kälte und Feuchte“. Sie führten einen ausgleichenden Wasseranteil zu.

 

 Das hellere Schweinefleisch galt kälter als Rindfleisch und „feucht“. Deswegen wurde geraten, es besser am offenen Feuer zu braten. In diesem Fall wird Feuer über die Zubereitungsart hinzugesetzt.

Je nach deinem Temperament, hier ist deine optimale Ernährung: 

Als Choleriker leidest du an einem Übermaß an Feuer. 

Demnach brauchst du natürlich Wasser! 

 

Deine Ernährung sollte kalt und feucht sein. Der Medicus empfiehlt dir viel Fisch und Salat. 

Sei aber sparsam mit Gewürzen, vor allem mit Salz, sonst fachst du dein Feuer noch mehr an! 

 


 Als Melancholiker hast du zu viel Erde in dir angestaut und das beschwert dich. Du brauchst Luft, um dich zu erleichtern!

 

Deine Ernährung sollte feucht und warm sein. Du darfst dich freuen, denn du kannst Blanc Mangar mit gutem Gewissen verschlingen!

 

Deine Nahrung sollte immer gut vermengt sein, am besten gestampft oder püriert, damit es seine volle Wirkung entfalten kann. 

 


Als Sanquiniker hast du zu viel Luft in dir und hebst deswegen ab.

 

 

Tut mir leid, bei dir hilft der Kochlöffel nicht viel,

nur das Aderlassmesser kann dir die nötige Erdung verschaffen!


(Copyright: http://museen-sh.de/Objekt/DE-MUS-789911/lido/Med60)

Als Pflegmatiker bremst dich ein Überfluss an Wasser aus. Du brauchst dringend Feuer und das nicht nur unterm A…!

 

Deine Ernährung sollte idealerweise trocken und warm sein. Gönn dir öfter einen Wacholderbeerentee oder ein gegrilltes Steak. 


Wer hätte gedacht, dass das Thema Aderlass Appetit machen könnte?  

 

 

Aber wo ist nun das Blut? Das Thema war doch Aderlass? 

 

Um dich nicht ganz unbefleckt von dannen ziehen zu lassen,

 

schließen wir diesen Teil des Artikels mit dem unfreiwilligen Aderlass ab.

 

Bereits Aulus Gellius berichtete im 2. Jahrhundert, dass der Aderlass als eine der schmachvollsten Strafen angesehen wurde, zu der jemand verurteilt werden konnte.

 

Auch im Tristan des Gottfried von Straßburg wird ein unfreiwilliger Aderlass erwähnt.

 

Hier noch ein Auszug vom deutschen Historiker Hartmann Schedel, der in seiner Weltchronik von 1493 den Tod Senecas beschreibt.

 

 

„… do wardt dem Seneca von Nerone gesagt das er imselbs einen tod erwelet. do Seneca den willen Neronis erkennet begeret er das er in ein lawes wasser gesetzt vnd ime alle adern geoeffent werden solten bis ime der gaist entgienge. maynende das es gar eins sueß geslecht des todts wer. also von eroffnung der adern zesterben. vnd also endet er sein leben …“

 

Zur letzten verblieben Frage:

 

Ja, es gibt einen dritten Teil zum Thema Aderlass.

 

Und ja, es wird das nächste Mal eindeutig blutiger. 

 

Doch unser Blick wird wider Erwarten auch zu den Sternen wandern. 

Immer an Bord sein, wenn wieder eine Reise ins Mittelalter ansteht? 

   

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