gewalttätige kaninchen

im mittelalter

 

Ich muss zugeben, es ist ein sehr ungewöhnlicher Artikel um einen Mittelalter-Blog zu beginnen. Schließlich verbindet man ein köpfendes, blutrünstiges Kaninchen nicht gerade mit Geschichte, dessen Unterricht wir aus unserer Schulzeit leider als Sammlung trockener Fakten und Jahreszahlen kennen.

 

Doch es präsentiert treffend, was ich auf dieser Seite vorstellen möchte:

Lehrreiche, aber ebenso unterhaltsame Artikel rund um das Mittelalter, Mythen und Wölfe.

 

Fast alle Mittelalter-Fans und auch unzählige darüber hinaus kennen den grandiosen Film von Monty Python: „Die Ritter der Kokosnuss“

 

Alle, die ihn nicht kennen sollten, kann ich ihn nur wärmstens empfehlen. 

 

 

In der Komödie kommt eine Szene vor, in der ein Zauberer die Rittergruppe vor einem grauenvollen Monster warnt. Zwischen den Totenköpfen erscheint statt eines Ungeheuers ein flauschiges weißes Kaninchen, der Inbegriff von Unschuld.

 

 

 

Die Ritter lachen den Zauberer aus und marschieren furchtlos auf den Kleinnager zu.

Doch dann attackiert es … 

 

… und richtet ein ziemliches Blutbad an.

 

Eine urkomische Szene, doch wenn man gewisse Bilder in mittelalterlichen Bücher betrachtet, vergeht einem das Lachen, denn augenscheinlich scheinen Kaninchen und Hasen tatsächlich eine mörderische Seite zu haben. 

 

 

 

 

Auf dieser Illustration ist ein Kaninchen kurz davor, mit einem Stock dem nackten, gefesselten Mann eins über den Schädel zu ziehen, während sein Kumpane dem armen Kerl die Knöchel aufschlitzt. 

 

 

 

 

 

 

Auch hier arbeiten sie im Team und sind wohl gerüstet mit Schwertscheiden und sogar einem Streithammer. 

 

 

 

 

 

Auch Hunde waren vor Kaninchen nicht sicher. Der Hund ist bereits von zwei Pfeilen durchbohrt, der dritte Pfeil wird im Bogen gespannt.

 

 

 

In diesem Bild hat das Kaninchen den Hund erhängt und es scheint ihm noch zu laut zu sterben, woraufhin er ihn mit einem „Shh“ zurechtweist.

 

 

 

Hier ist das Kaninchen kurz davor, hinterrücks einen Hund zu erschlagen, der sich zum Schlafen eingerollt hat. 

 

 

 

Selbst Hundedressur scheint Kaninchen nicht fremd gewesen zu sein.  

 

 

 

Der Kampf gegen die Hunde scheint ein ganz erbitterter gewesen zu sein. Auf der zweiten Illustration findet eine wahre Belagerung statt. Ein Rudel Hunde, darunter sogar ein König, versuchen eine Festung einzunehmen, die mit Schild und Steinen von Kaninchen verteidigt wird. 

 Leider werden die Bilder nur noch verwirrender.

 

 

 

 

Ein schwertschwingendes Kaninchen, das auf einem Löwen reitet und sich dem Kampf gegen einen Halbschneckenmann-Bogenschützen stellt? 

 

 

 

 

Ein Hund auf den Schultern eines Kaninchens, reitend im Tjost, gegen ein Kaninchen auf einer Schnecke mit Menschenkopf? 

 

 

 

 

Ein Kaninchen mit Stock auf einem undefinierbaren Ungetüm? 

 

 

 

 

 

Ein Kaninchen, das einen Affen in den Allerwertesten pikst?  

Die Kaninchen des Mittelalters scheinen blutrünstige, hundehassende Kreaturen gewesen sein, teilweise in Menschengröße, die fähig waren mit Schwert und Bogen umzugehen, eigene Festungen besaßen und sogar auf Löwen und Riesenschnecken ritten.

 

Was ist passiert?

Wurden alle teuflischen Kaninchen im heroischen Kampf von den Rittern des Mittelalters ausgerottet? Oder halten sich die Kaninchen zurück, um sich frei vermehren zu können als harmlose Kuscheltiere in Kinderzimmern und Streichelzoos, um im richtigen Moment zuzuschlagen?

 

Ich kann Euch beruhigen, keine Kaninchen-Apokalypse droht uns, ebenso wenig standen Kaninchen auf der To-Kill-Liste der mittelalterlichen Ritter.

 

 

Woher stammen dann also die Illustrationen in den Büchern? Was verleitete die Verfasser dazu, solche Bilder am Buchrand zu malen? Was für eine Bedeutung haben sie? 

Es handelt sich dabei um sogenannte

„Drolerie“ und „Groteske“.

 

Ersteres hat ihren Wortstamm von „drollig“. Es handelt sich dabei in der mittelalterlichen Kunst um derb-lustige, grotesk überzeichnete Darstellung von Menschen, Fabelwesen und Tieren. Sie finden sich sowohl in der Buchmalerei als auch in der plastischen Kunst.

 

 

Es handelt sich somit um mittelalterliche Karikaturen, so wie wir sie heutzutage zuhauf haben. Nur waren sie damals weit aufwendiger. Dafür haben sie auch den Zahn der Zeit überstanden und bringen uns auch so viele Jahrhunderte später zum Wundern und Schmunzeln.

 

 

Als deutsche Bezeichnung für solche Figuren gibt es Blecker, die etwas entblößen, meistens ihr Hinterteil, und Zanner, sie blecken die Zähne und schneiden Grimassen.

 

 

(Urheber: Martin Vavřík - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5640049)

 

 

 

Wie das Wort selbst erahnen lässt,

geht es in der Groteske schon etwas grotesker zu.

 

Darunter versteht man literarische Darstellungsweisen, in denen Gegensätze wie Grauen und Komik, Lächerlichkeit und Bedrohung, Zierlichkeit und Monstrosität in eine Einheit gebracht werden.

 

(Ich hätte gern den Urheber des Bildes genannt, aber es war keiner angeben.

Offenbar wollte keiner mit diesem Bild in Verbindung gebracht werden.) 

 

Den Illustratoren ging es also darum, die Welt verkehrtherum darzustellen.

 

Die einzige Überlebungschanche besteht für Kaninchen wegzulaufen, sich zu verkriechen und sich in großer Anzahl zu vermehren.

Kaninchen und Hasen waren Symbole für Feigheit, Unschuld, Hilflosigkeit und sogar passiver Sexualität. Auch heute noch ist uns der Begriff „Angsthase“ geläufig.  

Der Gedanke, dass die Kaninchen zurückschlagen und sich rächen, hat die Menschen des Mittelalters amüsiert und auch heute belustigt es uns wie wir im Film „Die Ritter der Kokosnuss“ gesehen haben.

Die Gewalt gegen Hunde auf den Bildern ist damit zu erklären, dass Hunde für die Jagd gegen Kaninchen eingesetzt wurden.

Oft wurde auch die Feigheit der abgebildeten Person durch die Kaninchen betont.

Die Riesenschnecken lassen sich auch damit erklären, dass die Welt umgekehrt ist. Etwas das klein, zerbrechlich und fuchtbar langsam ist, wird als Reittier benutzt. Außerdem stehen sie ebenfalls als Symbole für Feigheit, denn bei jeder kleinsten Bewegung zieht die Schnecke den Kopf ein und verkriecht sich in ihrem Schenckenhaus.

 

Die Leute des Mittelalters hatten ebenso wie wir heute den Wunsch nach lustigen Bildern. Hätten die Menschen in der damaligen Zeit Internet, wäre es gewiss ebenso bizarr wie heute.

 

Damit zum Abschluss:

Gibt Acht auf die Angsthasen!

Man weiß nie, wann die Dinge kippen und die Welt auf einmal Kopf steht.

 

 

 

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